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2x Ankunft: In Lima und in Cuzco
Freitag, 29. April 2005, Lima, 5.30 Uhr
Zum ersten Mal in Südamerika. Liege im Hotelbett
des Victor
Hostal in der peruanischen Hauptstadt Lima und lausche
dem Chor der geächteten Hähne des Viertels.
Deren frühmorgentliches Konzert scheint eine Note
klarer, leiser und lieblicher zu klingen als in anderen
Teilen der Welt. Ob sie hier so gezüchtet werden?
Weniger lieblich ist der Fischgeruch, der über
der Stadt liegt. Es ist eine schwere, schwülwarme,
überwältigende Tunke, in die man getaucht
wird, sobald man dem Flieger entsteigt. Als wir Passagiere
wie üblich durch den Tunnel ins Flughafengebäude
strömten, kam ich mir vor wie eine Sardine unter
Sardinen in der Fabrikationsstraße unterwegs zum
Öl und in die Dose. So einen Gestank möchte
ich nicht täglich um mich haben müssen.
In der Ankunftshalle hielt ich gespannt Ausschau nach
meinem Namensschild. Seit ich in Tibet mit chinesischen
Schriftzeichen begrüßt worden bin, rechne
ich stets mit neuen Varianten. Aber ich brauchte mir
gar keine Sorgen zu machen. Am Rand der reckende Menge
hielt jemand ein "Doris Zehren"-Schild empor.
Es war der Besitzer des Hostals, das ich für diese
Nacht gebucht hatte und alles war gut.
Als wir vom Flughafen in die breite, holprige, baustellengesäumte
Einfallstraße einbogen, das Gehupe einsetzte und
das wilde Manövrieren quer über alle zur Verfügung
stehenden Spuren hinweg losgingen, fühlte ich mich
schon fast heimisch. Wie scheinbar in der halben Welt
reihten sich auch hier die Schuhkartons aus Beton am
Straßenrand auf, gestapelt wie Hafen-Container,
unten mit Geschäften drin, oben ebenfalls bewohnt.
Menschen liefen mitten auf den Schnellstraßen.
Alles war staubig und fremd. Genau das ist es, was es
einem wieder vertraut erscheinen lässt. Senor Mattos
konnte Englisch und so unterhielten wir uns über
deutschen Fußball - Bayern München und wo
überall Peruaner spielen wie Pizarro oder Guerrero.
Der Flug war lang, aber ruhig gewesen. Frühmorgens
in Hamburg in die Zubringermaschine nach Amsterdam.
Aus dem Flugzeug wirkte die Gegend um die niederländische
Hauptstadt herum wie ein einziges, buntes Tulpenschachbrett.
Mondrian hätte seine Freude dran gehabt - ich im
Übrigen auch. So viel Wasser zieht durch dieses
Land!
Schihpol, der internationale Flughafen in Amsterdam,
ist ein Moloch. Ich musste einmal quer durch. Zum Glück
erhält jeder nach der Landung einen Lageplan, mit
dessen Hilfe man sich orientieren kann - dennoch schafft
man es nicht unter 35 Minuten.
Nach dem Start der KLM-Maschine war es nur noch Essen,
Schlafen, Lesen, Filme schauen. Eine elendig lange Strecke
über Irland, New York, dann erst runter nach Süden.
Eine unerwartete Zwischenlandung in Bonaire, von dessen
Existenz ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss,
bis gestern nichts wusste. Die Ansagen des Bordpersonals
auf Holländisch, Spanisch und Englisch verunsicherten
mich.
"Bonair, Bonnaires? Wir landen in Buenos Aires?"
Das war die Rache für so viele geschwänzte
Erdkundestunden. Mein Sitznachbar, ein Pole aus Warschau,
erklärte mir geduldig auf Englisch, dass hier die
Region mit einigen Inseln der EU angegliedert sei. Es
handele sich dabei um die so genannten ABC-Inseln.
Öööh. Aja. Thank you. Atomtest-Atolle?
Wo nur liegen die ABC-Inseln? Ich hatte nicht die leiseste
Ahnung, wo wir waren. In der Karibik, wie sich sehr
schnell herausstellte, als die Kabinentür aufschwang.
Draußen auf der Gangway schlugen uns satte 30°C
und die dazu gehörige Luftfeuchtigkeit entgegen.
Das Flughafengebäude war rosa gestrichen, von Palmen
gesäumt und die einzige andere Maschine kam aus
Jamaika. Zur Aklimatisierung gönnte ich mir einen
Blue Curacao an der blaukachelten Flughafenbar und fächelte
die Luft mit dem überdimensionierten Transitpass.
Wo wohne ich in Lima?
Die Gegend hier, die ich wegen der Flughafennähe
ausgewählt hatte, ist nicht gerade die feinste.
Das Hotel ist hermetisch abgeriegelt und nach vorne
raus ist das Haus noch ein Rohbau. Aber die Zimmer sind
ok. Meines riecht zwar penetrant nach Insektenschutzmittel,
aber dafür habe ich selbst gesorgt. Während
des Fluges ist mal wieder der Deckel der Plastikflasche
im Rucksack abgesprengt worden. Ist mir schon das zweite
Mal passiert. Warum gleich beim ersten Mal dazulernen,
wenn man den gleichen Fehler nochmal machen kann? An
den Rucksack traut sich die nächsten beiden Wochen
jedenfalls keine Mücke mehr.
Inzwischen ist es nach 8 Uhr und eben brachte der Hausherr
den Junior im Auto zur Schule - eine Aktion von 5 Minuten.
Hat das zu bedeuten, dass diese Leute einen gewissen
Grad an Snobismus entwickelt haben oder ist es hier
so unsicher, dass man die Kinder keine 10 Minuten alleine
auf die Straße lassen kann? Ich kenne die Antwort
nicht und blieb deswegen immer in Sichtweite des Hauses.
Die Leute im Hotel sind sehr nett und korrekt und das
Frühstück war echt gut. Gleich schon geht
es weiter in die Anden. Mal sehen, was Eveline dort
so macht.
Samstag, 30. April 2005, Cusco, 8.30 Uhr
Ich sitze im hinteren Patio des Hotel Amaru, in einer
Art Wintergarten, der unserem Zimmer vorgelagert ist.
Eveline soll gegen 9 Uhr hier eintreffen. Sie hat die
letzte Nacht noch in ihrer Gastfamilie verbracht, wo
sie während des Sprachkurses in den letzten zwei
Wochen wohnte.
In der Nacht wurde ich um 4 Uhr wach mit Halsweh und
verstopfter Nase. Klasse, die Urlaubserkältung
folgt mir treu durch die ganze Welt. So sind die Kopfschmerzen
wohl weniger ein Zeichen der Höhenkrankheit. Es
geht mir hier auf 3300 Metern eigentlich ganz prima.
Ab und zu springt das Herz, ich schnaufe schneller,
aber so unangenehme Effekte wie eine permanente Verlangsamung
gibt es nicht. Die steile Gasse hier zum Hotel hoch
habe ich gestern locker geschafft, nachdem ich zuvor
in einem Internetcafé eine gute Ankunft in die
Heimat telegrafiert hatte.
Gestern Morgen auf dem Flughafen in Lima sah das noch
ein bisschen anders aus, als unser Flug kontinuierlich
nach hinten verschoben wurde. So ergab es sich schließlich,
dass gleich zwei Jets aus der Metropole den kleinen
Flughafen hier in Cusco heimsuchten. Die nächste
Maschine war nämlich vor unserer gestartet gewesen.
Cuzco - Zentrum der Inkakultur - Zentrum der Tourismusbranche:
Eine vierköpfige Inka-Band stand an der Gepäckausgabe
bereit und intonierte peruanische Weisen. Elektrisch
verstärkte Gitarre, glitzernd überzogene Panflöten
und CDs für schlappe 10$ das Stück. Ich stand
am Gepäckband grinste über beide Ohren. Es
war so schön - all die begeisterten Japaner!
Da ich allerbestens auf die Reise vorbereitet war, besorgte
ich mir als erstes einen Stadtplan bei einem der vielen
Reiseanbieter in der Ankunftshalle und ließ mir
kennzeichnen, wo mein Hotel zu finden sei. Mit Shuttle
hatte ich Glück, denn der "Verteiler"
vor der Tür, den ich um ein Taxi zum Hotel Amaru
ansuchte, verwies mit suchendem Blick in die obligat
reckende Menge: "Una representante di Hotel Amaru!"
Prima. Zusammen mit drei Amerikanern wurde ich direkt
zum Hotel gebracht und nach längerem Hin und Her
an der Rezeption ("No Reservation. Can't find!")
hatte ich den Schlüssel für dieses schnuckelige
Zimmer in dem verwinkelten Komplex. Kaum hatte ich einige
Sache ausgepackt, klopfte Eveline bereits - auf zum
Plaza di Armas.
Bei einem Mate di Coca erzählte sie, dass hier
sonntags immer Militärparaden abgingen und dass
der Platz in der Hochsaison schwarz vor Menschen sei.
Letzte Woche seien praktisch noch keine Touristen hier
gewesen.
Wir suchten nach dem zwölfeckigen Stein in der
Mauer eines der Museen, einem Gebäude, das noch
auf alten Inkamauern aufsetzt, flanierten am ehemaligen
Sonnentempel vorbei, dessen Reste jetzt unter einem
katholischen Kloster gefangen sind und gingen anschließend
zu der Sprachschule, in der sie Spanisch lernt. Dort
gab es ein Jubiläumsfest. Es ist erstaunlich, welche
Hofwelten sich hinter manchen kleinen Türen verbergen.
So öffnete sich auch diese Schule zu einem weitläufigen
Komplex aus der Kolonialzeit, den man von der Straße
aus nicht erkennen kann. Drinnen waren jede Menge Leute
unterwegs, einige Deutsche auch, die ich sonst seit
meiner Ankunft in Peru kaum irgendwo bemerkt habe. Momentan
scheinen eher Amis, Schweizer und Japaner Saison zu
haben.
Im Patio der Schule gab es einen Salsa-Wettbewerb, in
dem sich die Jugend der Stadt und einige mutige Sprachschüler
die Ehre gaben. Alle hatten ihren Spaß, trotz
konzentriertem Ernst. Bei mir war dann aber irgendwann
die Batterie alle und ich musste Eveline zurücklassen,
zusammen mit Camilla, ihrer Gastgeberin.
Ok, es wird langsam kalt. Zwar scheint bereits die Sonne,
nicht aber hier hin. Mehr als 10°C sind es nicht.
Zu Hause würde ich mich da nicht auf den Balkon
setzen, aber hier ist die Luft so hell und klar, trotz
des Smogs in den Straßen. Ich mag das.
Für heute haben wir vor, unseren ersten Berg zu
besteigen, mit dem Taxi vorerst. Sacsayhuaman, die letzte
Inka-Festung und einige Stätten drum herum.
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Fotos
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Zwischenlandung in Bonaire

Karibik

Hinterhof des Victor Hostal

Victor Junior wird zur Schule
gefahren

Cuzco Hotel Amaru der Garten

Cuzco Plaza di Armas

Mate di Coca

Der 12eckige Stein

Indiofrau an einer Inkamauer

Die Sprachschule von Innen

Salsawettbewerb

Internet, aber klaro

Die steile Gasse zum Hotel bei
Nacht

Die steile Gasse zum Hotel bei
Tag
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